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Buga 2005

Verband Evangelischer Posaunenchöre

Sonntags um Sechs


Ende gut, alles gut – ökumenischer Abschied von der BUGA 2005


Dekan Volker Herbert, München-BogenhausenFinale klerikale…es war der letzte Gottesdienst in der Arena, bevor die Bagger, Planierraupen und Kräne kommen, damit aus Besuchern der BUGA Bewohner der Messestadt werden: Wo bis jetzt an Sonntagen auf der BUGA noch gesungen, gebetet und gepredigt wurde, stehen künftig Häuser und Wohnungen.

Noch einmal Posaunen und Gesänge, bevor die Presslufthämmer hier rattern. Zum Abschied der Kirchen von der BUGA waren Hunderte gekommen und füllten das Halbrund der Arena bis auf den letzten Platz. Prälat Obermeier für die römisch-katholische, Erzpriester Malamoussis für die griech.-orthodoxe und Dekan Herbert für die evangelische Kirche gestalteten den Gottesdienst unter freiem Himmel. Der, so als wollte er etwas wieder gut machen, sich diesmal von seiner besten blauen Seite zeigte.

Dem launischsten Sommer aller Zeiten folgt immerhin ein goldener Oktober.
Dieser gemeinsame Gottesdienst beschloss die gute und erfolgreiche ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen bei der BUGA.

Buga-EvangelischErd und Himmel sollen singen… war das Motto. Dies war zwar leider nicht der wärmste Sommer, aber die musikalischste BUGA aller Zeiten, zu der gerade die Chöre und Kapellen der Kirchen maßgeblich beigetragen haben. Der Lukaschor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Gerd Kötter und über 80 Bläser des Münchner Bezirksposau-nenchores unter der Leitung von Dr. Michael Kurzmann machten den Gottesdienst zu einem abwechslungsreichen Klangerlebnis.

Zugleich bedankten sich die Kirchen mit diesem Gottesdienst bei Ihren zahlreichen ehrenamtlichen und geistlichen und logistischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ohne die all die Gottesdienste und Veranstaltungen nicht möglich gewesen wären.

Man kann über vieles bei dieser Buga 2005 verschiedener Meinung sein und sogar streiten, aber Perspektivwechsel als Thema war ein Volltreffer, auch wenn es nicht so sensationell und spektakulär war, wie mancher erwartete, der sich schon als Maulwurf durch dunkle Gänge irren oder als Ameise durch den Wiesendschungel klettern sah.

Dabei ist Perspektivwechsel kein neues, sondern ein uraltes Thema menschlicher Existenz und Zukunft. Einfach gesagt: Es geht nix wirklich weiter, wenn man nicht sich selbst, die andern und das Leben auch mal anders wahrnimmt und beurteilt, und zwar aus deren Augenwinkel, aus deren Gefühls- und Interessenslage- und nicht nur der eigenen, die einem natürlich am nächsten und liebsten ist und am besten taugt.

Jesus hat gesagt, dies sei das wichtigste Gebot:
Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele und deinen Nächsten wie dich selbst!

Und solche Liebe ist nur möglich, wenn ich meine üblichen Standpunkte und Blick­richtungen verlasse, um deine Lage, deine Wünsche, dein Glück und deine Not zu begreifen, aus deiner Sicht. Um meine Möglichkeiten, meine Freiheiten und mein Verhalten zu sehen aus deiner Sicht. Und um uns alle zu sehen aus der Sicht Gottes, der uns den größten Auftrag auf diesem Planeten gegeben hat, nämlich ihn zu einem Lebensraum zu machen, in dem zwar nicht alles gut und perfekt ist , aber auch nicht alles von Tod und Gewalt, von Angst und Misstrauen beherrscht wird.

Mancher der die BUGA besuchte, war enttäuscht, weil sie oder er hier nicht die Erfah-rung machte, die er bei Spaziergängen und Reisen sonst macht: den Einklang mit der Natur zu spüren, zu erleben. Zuwenig Blüten und Blumen lautete anfangs die Klage, oder der Vorwurf kam, die Landschaftsarchitekten hätten Natur und ihre Formenvielfalt in geometrische Formen gezwängt… Aber der Mensch steht eben nicht nur im Einklang mit der Natur, so sehr er ihr angehört. Er ist von ihr abhängig und zugleich kann er sie manipulieren. Er ist ihr Beherrscher und – manchmal – ihr Opfer. Er genießt sie, benutzt sie, missbraucht sie und erforscht immer noch ihre Gesetze, die er eigentlich längst kennen müsste. Aber die Natur ist in ihm, um ihn und wirkt in allem. Wie soll er je ihr Herr werden?

Sie ist Schöpfung. Entwickelt sich. Wohin? Um diese Frage für uns – nicht für die Natur!,, die weiß es vermutlich selbst! - zu beantworten brauchen wir die Religion. Wir erfahren ja auf verschiedene Weise, dass wir Teil der Natur sind. Nicht erst beim Blick in den Spiegel jenseits der 40.

Schön beim Betrachten ihrer Schönheit- beim Schwimmen im warmen Meer, das Neugeborene betrachten, die Blüten, ihre Farben und Gerüche im Licht der Sonne…

Schlimm wenn wir ihren zerstörerischen Kräften hilflos und ratlos gegenüberstehen. Und nach Zeitungsmeldungen hat gerade dieses Jahr die höchste Zahl an Opfern von Naturkatastrophen seit langem zu beklagen. Das Wetter ist Thema, nicht nur wegen der verregneten BUGA.

Das bewirkt unter uns Verunsicherung. Nicht nur bei den Reisezielen für den Urlaub! Und es hat das Thema Mensch und Natur wieder aktuell gemacht.
Wir sind Teil der Natur und zugleich Teil der Schöpfung. Was macht, was bringt dieser Unterschied?

Der Mensch als Teil der Schöpfung weiß um seine Beziehung zum Schöpfer und zum Ganzen. Und das lebt er. Oder nicht, dann wird er irgendwann darauf gestoßen.

Ein zentraler Ort auf der BUGA, wo genau dies sichtbar und erlebbar wurde, war der sogenannte Gräberhain, eine Friedhofsanlage ohne Leichen mit eindrucksvollen Grabmälern und Bepflanzungen. Er fand mit den größten Zuspruch. Mehr als der Ort der Weltreligionen, der dafür zu weit vom Schuss und zu sehr Kunstwerk war. Aber in den Grabreihen des Gräberhains kamen Menschen miteinander ins Gespräch: Über das Leben. Über die Vergänglichkeit und das Danach. Über Gedanken und Gefühle, die sie sonst nicht äußern, nicht einmal gegenüber ihren Nächsten. Über Hoffnungen, über Gott und sich selbst. Das war ein echter Ort der Begegnung. Interreligiös, überkonfessionell, existenziell.

Denn wenn wir den Glauben an Gott und seine biblischen Quellen und Aussichten nicht nur im Herzen behalten, sondern ihm Stimme und Ausdruck geben, dann bringt es uns mit anderen ins Gespräch. Und lässt manches und manchen in einem anderen, neuen Licht erscheinen. Perspektivwechsel.

Ich war mehrmals dort. Sah dann über die Grabmäler hinweg gegenüber die zahllosen Blumen auf der nahen Sommerwiese in leuchtenden Farben. Manchmal wiegten sie sich im Wind und ergaben ganz neue Ansichten der Wiese. Mir fiel der 103. Psalm ein, wo es heißt:

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da und ihre Stätte kennet sie nicht mehr. Die Gnade des Herrn aber währet von Ewigkeit zu Ewigkeit über denen, die ihm in Ehrfurcht begegnen… Und ich war dankbar und froh ein Mensch zu sein in dieser Schöpfung.

Dekan Volker Herbert, München-Bogenhausen



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